Marketingfachleute · Prüfung · Stand
Mit dem eidgenössischen Fachausweis als Marketingfachmann oder Marketingfachfrau weist du nach, dass du Marketing von der Analyse bis zur Umsetzung selbständig planst und steuerst. Die Berufsprüfung besteht aus schriftlichen Teilen mit Fallstudien und Postkorb sowie aus mündlichen Teilen. Dieser Ratgeber zeigt dir Aufbau, Themen, Kosten und einen Lernplan, den du neben dem Job schaffst.
Was der Fachausweis ist und wer ihn braucht
Der Fachausweis ist ein eidgenössisch anerkannter Abschluss der höheren Berufsbildung. Er gehört zu den Berufsprüfungen und liegt auf Stufe der Tertiärstufe B. Du erwirbst den geschützten Titel «Marketingfachmann/Marketingfachfrau mit eidg. Fachausweis».
Er richtet sich an Personen, die im Marketing, in der Kommunikation oder in der Produkt- und Markenführung arbeiten und mehr Verantwortung übernehmen wollen. Typische Rollen sind Marketingassistenz, Projektmitarbeit, Produktmanagement oder Kommunikation in einer KMU. Weil der Titel gesetzlich geschützt und in der ganzen Schweiz bekannt ist, wird er in Stelleninseraten oft verlangt oder als Vorteil genannt.
Ein Fachausweis ersetzt kein Studium, ist aber der übliche Weg, wenn du aus der Praxis kommst. Wer zwischen Berufsprüfung und höherer Fachprüfung schwankt, findet Hilfe im Beitrag Berufsprüfung oder höhere Fachprüfung.
Zulassung
Nach der Prüfungsordnung vom 31. Oktober 2017 (Ziffer 3.3) wirst du zugelassen mit einem EFZ (mindestens dreijährige Grundbildung), einem Diplom einer Handels-, Diplom- oder Fachmittelschule oder einer Matura plus mindestens zwei Jahren einschlägiger Berufspraxis. Mit einem EBA (mindestens zweijährige Grundbildung) brauchst du mindestens drei Jahre einschlägige Berufspraxis.
Laut Wegleitung muss die Berufspraxis zum Zeitpunkt der Zulassung gegeben sein. Bei unklarem Werdegang bietet das Prüfungssekretariat Marketing Education eine kostenpflichtige Vorabklärung an (CHF 100, Stand 2026).
Prüfungsaufbau im Überblick
Nach der Wegleitung vom März 2026 besteht die Prüfung aus sieben Prüfungsteilen: fünf schriftlichen und zwei mündlichen. Zusammen dauern sie 890 Minuten.
| Teil | Form | Dauer |
|---|---|---|
| 1 Grundlagenwissen | schriftlich, IT-gestützt | 120 Minuten |
| 2 Geleitete Fallstudie 1: Marketing und Verkauf | schriftlich | 180 Minuten |
| 3 Geleitete Fallstudie 2: Planung | schriftlich | 180 Minuten |
| 4 Geleitete Fallstudie 3: Umsetzung | schriftlich | 120 Minuten |
| 5 Postkorbaufgabe | schriftlich | 90 Minuten |
| 6 Präsentation und Fachgespräch | mündlich | 120 Minuten Vorbereitung, 20 Minuten Präsentation, 30 Minuten Fachgespräch |
| 7 Erfolgskritische Situationen | mündlich | 30 Minuten |
Im Grundlagenwissen und im Postkorb sind keine Hilfsmittel erlaubt. Bei den drei Fallstudien gilt «Open Books» gemäss Hilfsmittelliste, ohne Internetverbindung.
Noten und Bestehen
Die Prüfung wird mit Noten von 6 bis 1 bewertet, die Note 4.0 ist genügend. Positionsnoten gibt es in ganzen und halben Noten, die Noten der Prüfungsteile und die Gesamtnote werden auf eine Dezimalstelle gerundet.
Laut Wegleitung bestehst du, wenn die Gesamtnote (Mittel der sieben Prüfungsteile) mindestens 4.0 beträgt, höchstens zwei Prüfungsteile unter 4.0 liegen und kein Prüfungsteil unter 3.0 liegt. Bei Nichtbestehen wiederholst du die ungen ügenden Teile. Grundlagen der Notenberechnung findest du im Beitrag Das Schweizer Notensystem bei Prüfungen.
Termine und Prüfungsträgerschaft
Träger der Prüfung ist der Schweizerische Trägerverein für die Berufsprüfung für Marketingfachleute. Durchgeführt wird sie im Auftrag des SBFI von Marketing Education (marketing-education.ch), die auch die Anmeldung abwickelt. Die Prüfung findet einmal jährlich statt.
Für 2027 nennt Marketing Education: Anmeldung vom 15. Juli bis 20. September 2026 (Nachmeldung bis 11. Oktober 2026 gegen CHF 250), schriftliche Prüfungen am 8. und 9. März 2027 in Basel, mündliche Prüfungen vom 31. März bis 7. April 2027 in Luzern. Prüfe die Daten vor der Anmeldung dort.
Kosten und Bundesbeiträge
Die Prüfungsgebühr beträgt laut Marketing Education CHF 2'500 (Prüfung 2027). Dazu kommen die Kosten für Vorbereitungskurs und Lernmaterial.
Wer die Prüfung ablegt, erhält vom Bund eine Rückerstattung: Der Bund übernimmt 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei einer Berufsprüfung höchstens CHF 9'500. Die Auszahlung erfolgt nach dem Besuch der Prüfung, unabhängig vom Ergebnis. Details und Voraussetzungen erklärt der Beitrag Bundesbeiträge für den Vorbereitungskurs. Prüfe die aktuellen Beträge auf sbfi.admin.ch.
Die Themen der Prüfung
Der Stoff folgt den neun Themenbereichen unseres Kurses. In Klammern steht, wie viele Übungsfragen im Kurs dazu bereitstehen.
- Marketing-Grundlagen und Strategie (120)
- Marktforschung und Analyse (150)
- Produkt-, Preis-, Distributionspolitik (140)
- Kommunikationspolitik und Instrumente (150)
- Digitales Marketing (150)
- Marketingplanung, Budget, Controlling (120)
- Verkauf und Kundenmanagement Basics (80)
- Recht im Marketing (50)
- Projekt-, Präsentations- und Selbstmanagement (40)
Vertiefungen findest du in Marktanteil und Marktpotenzial berechnen und Marketing-Kennzahlen: ROAS, Reichweite, TKP.
Lernplan für Berufstätige
Rechne mit 8 bis 10 Wochen bei etwa 6 bis 8 Stunden pro Woche. Wenn du eine Vorbereitungsschule besuchst, ergänzt der Plan den Unterricht.
- Woche 1 und 2: Marketingprozess, Zielhierarchie, strategische Instrumente und Marketing-Mix.
- Woche 3 und 4: Marktforschung, Segmentierung, Potenzial- und Marktanteilsrechnung.
- Woche 5 und 6: Kommunikationsinstrumente, digitales Marketing und Kennzahlen.
- Woche 7: Planung, Budget, Controlling und Recht im Marketing (UWG, Datenschutz).
- Woche 8: Fallstudie und Postkorb unter Zeitdruck üben.
- Letzte Woche: mündliche Teile laut sprechen üben, Fehlerliste durcharbeiten.
Mehr dazu im Beitrag Lernplan und typische Fehler. Die Prüfungsteile erklärt Fallstudie, Postkorb und mündliche Teile.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
Aus dem Unternehmensziel «Umsatz um 10 % steigern» wird ein Marketingziel abgeleitet. Welches Ziel ist ein Instrumentalziel auf der untersten Stufe?
- Den Marktanteil im Kerngebiet um zwei Prozentpunkte ausbauen
- Den Gewinn vor Steuern im Geschäftsjahr um 10 % erhöhen
- Das Image der Marke als Qualitätsanbieter in der Region verbessern
- Die Rücklaufquote des Mailings auf mindestens 4 % steigern
Lösung anzeigen
Richtig: D. Die Zielhierarchie läuft vom Unternehmensziel über das Marketingziel zum Instrumentalziel. Dieses bezieht sich auf ein einzelnes Instrument wie das Mailing.
Aufgabe 2
Wie lässt sich das Marktpotenzial in Franken im Grundsatz berechnen?
- Umsatz des Marktführers mal Zahl der Anbieter im Markt
- Käufer mal Kaufmenge pro Käufer mal Durchschnittspreis
- Eigener Umsatz geteilt durch den Marktanteil des Mitbewerbers
- Marktvolumen des Vorjahres plus die Werbeausgaben der Branche
Lösung anzeigen
Richtig: B. Potenzial = Käufer × Menge × Preis. Es zeigt die maximale Aufnahmefähigkeit des Marktes.
Aufgabe 3
Ein Veloshop möchte wissen, wie viel Umsatz jeder in Werbung investierte Franken zurückbringt. Welche Kennzahl nutzt er?
- Break-even-Menge
- Absprungrate
- ROAS
- Kundenzufriedenheitsindex
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Richtig: C. ROAS = Umsatz geteilt durch Werbeausgaben.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.
Frage 1
Die Möbelmanufaktur Alder AG senkt den Preis ihrer Premium-Linie um 25 %, ohne andere Instrumente zu ändern. Welche Folge ist am wahrscheinlichsten?
- Die Positionierung bleibt unverändert, weil Preise keinen Einfluss auf Wahrnehmung haben
- Das Qualitätsbild leidet, und die Linie wirkt weniger exklusiv
- Der Absatz steigt in jedem Fall so stark, dass der Gewinn automatisch wächst
- Die Konkurrenz wird sofort aufgeben und den Markt verlassen
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Isolierte Preisänderungen können die Positionierung beschädigen.
Frage 2
Welche Gruppe gehört zum Mikroumfeld (Aufgabenumfeld) eines Unternehmens?
- Konjunktur, Zinsniveau und Inflation der Volkswirtschaft
- Lieferanten, Kundschaft und Wettbewerber der Branche
- Gesetzgebung, Verordnungen und politische Stabilität
- Demografischer Wandel, Werte und Lebensstile der Gesellschaft
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Das Mikroumfeld umfasst die direkten Marktpartner, also Lieferanten, Kundschaft und Konkurrenz. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind Makroumfeld.
Frage 3
Ein Fachgeschäft will einen Artikel streichen, der wenig Umsatz bringt, aber einen positiven Deckungsbeitrag hat. Kundinnen kaufen ihn oft zusammen mit teuren Zubehörteilen. Was sollte vor dem Entscheid geprüft werden?
- Ob der Artikel im Vorjahr mehr Umsatz erzielte, denn nur der Umsatzrückgang entscheidet über eine Streichung
- Ob die Konkurrenz den Artikel ebenfalls führt, denn bei gleichem Angebot muss jedes Geschäft ihn streichen
- Ob der Artikel Verbundeffekte auf andere Produkte hat, die bei einer Streichung ebenfalls wegbrechen würden
- Ob der Lieferant den Artikel noch produziert, denn das ist das einzige zulässige Kriterium für die Streichung
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: C. Bei Produktelimination werden Deckungsbeitrag, Lebenszyklusphase und Verbundwirkungen (Komplementärprodukte, Kundenfrequenz) berücksichtigt. Reine Umsatzbetrachtung greift zu kurz.
Frage 4
Welche Daten braucht ein Mailing mindestens, damit die Antwortquote berechnet werden kann?
- Anzahl Versendungen und Anzahl eingegangener Antworten
- Anzahl der Mitarbeitenden und Jahresumsatz
- Höhe des Werbebudgets und Anzahl der Filialen
- Alter der Kunden und Dauer der Kundenbeziehung
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Richtig: A. Antwortquote = Antworten im Verhältnis zu den versendeten Kontakten.
Frage 5
Die Kundenbindung der Optikerkette Weitblick in Basel wird über ein Treueprogramm mit Punkten im CRM unterstützt. Was ist das Ziel solcher Programme?
- Die Kundenbindung zu stärken und über die erfassten Daten Angebote und Kommunikation besser auf Kundinnen und Kunden abzustimmen
- Die Preise sofort für alle auf das Niveau der Konkurrenz zu senken, damit niemand abwandert
- Neue Kundschaft über Fernseh-Spots zu gewinnen, ohne bestehende Kunden zu berücksichtigen
- Die gesamte Kundendatenbank zu verkaufen, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen
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Richtig: A. Treueprogramme erhöhen Wiederkaufrate und liefern Daten für relevante Ansprache.
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Häufige Fragen
Wie heisst der Abschluss genau?
Marketingfachmann beziehungsweise Marketingfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis. Der Titel ist geschützt.
Muss ich einen Vorbereitungskurs besuchen?
Ein Kurs ist keine Zulassungsvoraussetzung, die meisten Kandidierenden besuchen aber einen. Entscheidend ist, dass du die Zulassungsbedingungen der Prüfungsordnung erfüllst.
Wann finden die Prüfungen statt?
2027 schriftlich am 8. und 9. März in Basel, mündlich vom 31. März bis 7. April in Luzern (Angaben von Marketing Education).
Bekomme ich Geld vom Bund zurück?
Ja, wenn du die Prüfung absolvierst. Der Bund erstattet 50 Prozent der anrechenbaren Kurskosten, höchstens CHF 9'500. Die Auszahlung erfolgt nach der Prüfung, unabhängig vom Ergebnis.
Welche Note brauche ich zum Bestehen?
Eine Gesamtnote von mindestens 4.0, höchstens zwei Prüfungsteile unter 4.0 und keinen Prüfungsteil unter 3.0.
Quellen und weiterführende Links
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