Führungsfachleute · Prüfung · Stand
Der eidgenössische Fachausweis für Führungsfachleute richtet sich an Personen, die ein Team oder eine Gruppe führen. Der Weg besteht aus zwei Stufen: zuerst die Zertifikate Leadership und Management der SVF, danach die Berufsprüfung. Dieser Ratgeber zeigt dir Zulassung, Aufbau, Kosten und einen Lernplan für Berufstätige.
Was ist der Fachausweis Führungsfachleute?
Führungsfachleute führen eine Gruppe oder ein Team in personeller und fachlicher Hinsicht. Der Beruf ist branchenunabhängig. Wer in der Industrie, in der Verwaltung, im Gesundheitswesen oder im Handel Teams leitet, kann den Fachausweis erwerben. Die Trägerschaft ist die Schweizerische Vereinigung für Führungsausbildung (SVF-ASFC).
Der Titel lautet Führungsfachfrau oder Führungsfachmann mit eidgenössischem Fachausweis. Er gehört zur höheren Berufsbildung und wird nach einer eidgenössischen Berufsprüfung vergeben.
Der Fachausweis ist praxisnah. Du sollst nicht nur Modelle kennen, sondern Führungssituationen beurteilen und selbst führen können. Darum prüft die SVF nicht nur schriftlich, sondern beobachtet in der mündlichen Prüfung dein reales Verhalten in einer Teamsitzung.
Der Weg in zwei Stufen
Du legst zuerst Modulprüfungen ab und erhältst für jedes bestandene Modul eine Bescheinigung. Mit den Modulen kommst du zum Zertifikat Leadership und zum Zertifikat Management. Dazu brauchst du keine Führungserfahrung. Erst danach meldest du dich zur Berufsprüfung an.
- Zertifikat Leadership (7 Module): Kommunikation mündlich, Kommunikation schriftlich, Konfliktmanagement, Präsentation, Selbstkenntnis, Selbstmanagement, Team/Gruppe führen
- Zertifikat Management (3 Module): Change Management, General Management, Personal Management
- Berufsprüfung: schriftliche Fallstudie und mündliche Prüfung mit Teamsitzung
Die Modulprüfungen sind für alle mündigen Personen offen. Nötig sind sie, wenn du den Fachausweis anstrebst. Ausführlicher im Ratgeber Zulassung, Module und Gleichwertigkeit.
Zulassung zur Berufsprüfung
Nach der Prüfungsordnung (Ziffer 3.3) musst du drei Bedingungen erfüllen:
- Ausbildung und Praxis: EFZ, Maturitätszeugnis oder ein gleichwertiger Ausweis und mindestens drei Jahre Berufspraxis, davon mindestens ein Jahr als Team- oder Gruppenleiterin beziehungsweise -leiter
- Oder ohne formellen Abschluss: mindestens sechs Jahre Berufspraxis, davon mindestens ein Jahr in einer Führungsfunktion
- Die verlangten Modulbescheinigungen oder eine Gleichwertigkeitsbestätigung
Die Zulassung wird bei der Anmeldung geprüft. Wenn du unsicher bist, kannst du gegen Gebühr eine Vorbeurteilung beantragen.
Aufbau der Berufsprüfung
Die Abschlussprüfung ist modulübergreifend und besteht aus zwei Teilen. Der schriftliche Teil ist eine Fallstudie mit vernetztem Inhalt über alle Module. Der mündliche Teil dauert etwa 90 Minuten und baut auf den Leadership-Inhalten auf.
| Teil | Inhalt | Dauer |
|---|---|---|
| Schriftlich | Fallstudie mit modulübergreifendem Inhalt | 4 Stunden |
| Mündlich | Leiten einer Teamsitzung, schriftliche Aufgabe dazu, Reflexionsgespräch | ca. 90 Minuten |
In der mündlichen Prüfung leitest du in der Regel mit vier Kandidierenden eine Sitzung. Du bereitest 25 Minuten vor, leitest 30 Minuten, löst danach schriftlich eine Aufgabe (ca. 10 Minuten) und reflektierst im Gespräch ca. 20 Minuten. Zum Schluss folgen etwa 5 Minuten zur eingereichten Einführungsarbeit. Laut Prüfungsordnung (Ziffer 6.41) ist die Abschlussprüfung bestanden, wenn du in beiden Prüfungsteilen mindestens die Note 4.0 erreichst. Du kannst dich auf Deutsch, Französisch oder Italienisch prüfen lassen.
Noten und Hilfsmittel
Die Leistungen werden mit Noten von 6 bis 1 bewertet. Die Note 4 und höher gelten als genügend. Es sind nur halbe Zwischennoten zulässig. Mehr zum System im Ratgeber Schweizer Notensystem.
Für die Fallstudie sind laut Wegleitung 2022 persönliche Unterlagen im Umfang eines Ordners, Gesetzestexte und ein Taschenrechner gestattet. Die genauen Hilfsmittel stehen im persönlichen Aufgebot.
Kosten
Dazu kommen die Kosten des Vorbereitungskurses. Die Module bieten öffentliche und private Schulen an, der Besuch eines Instituts ist nicht zwingend, aber empfohlen. Rechne für den ganzen Weg mit den Gebühren der zehn Module, der Berufsprüfung und der Kurskosten. Bundesbeiträge können einen Teil der Kurskosten abdecken.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Berufsprüfung, erstmals (schriftlich und mündlich) | CHF 900 |
| Wiederholung der ganzen Prüfung | CHF 900 |
| Wiederholung nur schriftlicher Teil | CHF 650 |
| Wiederholung nur mündlicher Teil | CHF 450 |
| Diplomierungs- oder Akteneinsichtsgebühr | CHF 50 |
| Modulprüfung (je nach Modul) | CHF 250 bis CHF 500 |
Termine
Die Berufsprüfung findet einmal pro Jahr statt. Im Herbst 2026 war die schriftliche Prüfung am 24. September, die mündlichen Prüfungen vom 5. bis 16. Oktober 2026. Die Daten für 2027 haben wir nicht bestätigt. Du findest sie auf der Seite «Termine/Anmeldung» der SVF. Die Modulprüfungen werden zweimal jährlich durchgeführt.
Bundesbeiträge
Für Kurse, die auf die eidgenössische Prüfung vorbereiten, erstattet der Bund 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei einer Berufsprüfung höchstens CHF 9'500. Laut SVF zählen nur Kursgebühren, die du selbst bezahlt hast. Rechnungen auf den Arbeitgeber sind nicht beitragsberechtigt. Du reichst die Rechnungen erst nach der Prüfung ein. Alles Weitere: Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse.
Themen und Fragen im Trainer
Unser Kurs enthält 900 Fragen zu neun Themen. Sie decken die Leadership- und Managementinhalte und die integrierten Fälle ab.
- Selbstkenntnis und Selbstmanagement (90 Fragen)
- Kommunikation und Präsentation (100)
- Team- und Gruppenführung (130)
- Konfliktmanagement (90)
- General Management (140)
- Rechnungswesen und Controlling Grundlagen (110)
- Personalmanagement und Arbeitsrecht Basics (100)
- Projekt- und Changemanagement (70)
- Integrierte Fälle der Berufsprüfung (70)
Weitere Ratgeber: Führungsstile und situative Führung, Konfliktmanagement und Eskalation und Lernplan und typische Fehler.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
In der Metallbau Keller AG verteilt Teamleiter Reto Aebi die Aufträge allein, erklärt seine Entscheide nicht und kontrolliert jeden Arbeitsschritt eng. Welcher Führungsstil liegt vor?
- Kooperativer Stil: Entscheide werden mit dem Team vorbereitet und die Argumente der Mitarbeitenden einbezogen
- Autoritärer Stil: Entscheidung und Kontrolle liegen allein bei der Führungsperson, das Team führt aus
- Laissez-faire-Stil: Die Führungsperson überlässt dem Team Ziele und Vorgehen weitgehend selbst
- Partizipativer Stil: Das Team entscheidet über sämtliche operativen Fragen gleichberechtigt mit
Lösung anzeigen
Richtig: B. Alleinige Entscheidung, fehlende Begründung und enge Kontrolle kennzeichnen den autoritären Stil. Er hemmt Eigeninitiative.
Aufgabe 2
Lena Frei ist seit zwei Wochen als Disponentin angestellt. Sie ist hoch motiviert, kennt aber die Abläufe noch kaum. Welches Führungsverhalten ihres Vorgesetzten passt am besten?
- Klare Anleitung, konkrete Aufgaben und engmaschige Rückmeldungen, bis sie die Abläufe sicher beherrscht
- Ein Zielbild vorgeben und sie das Vorgehen vollständig selbst wählen lassen, um ihre Motivation zu schützen
- Vor allem Gespräche über ihre Gefühle führen und fachliche Vorgaben bewusst vermeiden
- Die Aufgaben an erfahrene Kollegen übergeben und Lena nur zuschauen lassen
Lösung anzeigen
Richtig: A. Hohe Motivation bei geringer Fachkompetenz verlangt direktives, begleitendes Führen. Mit wachsender Kompetenz wird der Spielraum erweitert.
Aufgabe 3
In der Schreinerei Aebi AG streiten der Werkstattleiter und die Disponentin darüber, welcher Auftrag zuerst gefertigt wird. Beide argumentieren mit Lieferterminen und Auslastung, persönlich respektieren sie sich. Um welche Konfliktart handelt es sich vor allem?
- Beziehungskonflikt: Die beiden lehnen sich als Personen ab
- Wertekonflikt: Die beiden vertreten grundsätzlich verschiedene Überzeugungen
- Sachkonflikt: Es geht um unterschiedliche Prioritäten und Kriterien bei einer fachlichen Entscheidung
- Rollenkonflikt: Die beiden erhalten widersprüchliche Erwartungen aus ihrer Funktion
Lösung anzeigen
Richtig: C. Ein Sachkonflikt dreht sich um Inhalte, Ziele oder Vorgehen und lässt sich meist mit Kriterien klären. Ohne Klärung kann er in einen Beziehungskonflikt kippen.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.
Frage 1
Spitex-Leiterin Karin Albrecht überlegt, welche Ressourcen ihr in belastenden Phasen helfen. Welche Ressource ist eine soziale Ressource?
- Die Möglichkeit, mit einer Kollegin offen über belastende Situationen zu sprechen
- Ihr Wissen über Pflegetechniken, das sie in Weiterbildungen erworben und trainiert hat
- Ihre Fähigkeit, sich nach einem Arbeitstag gezielt mit Sport und Bewegung zu entspannen
- Ihr Arbeitsplatz mit ergonomischer Ausstattung, der körperliche Belastungen vermindert
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Soziale Ressourcen entstehen durch Beziehungen und Unterstützung. Sie sind ein zentraler Schutzfaktor gegen Überlastung.
Frage 2
Ein Mitarbeitender reagiert auf Kritik mit «Das ist ja wohl übertrieben, andere machen noch Schlimmeres.» Wie reagiert die Führungsperson am besten?
- Sie bleibt beim beobachteten Verhalten, hört seine Sicht an und fragt, was aus seiner Sicht die Ursache sein könnte
- Sie wiederholt die Kritik lauter, damit klar wird, wie ernst die Situation ist
- Sie nimmt die Kritik zurück und wechselt das Thema, um die Stimmung nicht zu belasten
- Sie vergleicht seine Leistung ausführlich mit der des schlechtesten Kollegen im ganzen Team, um ihm eine Perspektive zu geben und ihn zu motivieren.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Auf Abwehr hilft Sachlichkeit, Zuhören und Neugier statt Eskalation oder Rückzug.
Frage 3
Welche Haltung ist im Mitarbeitergespräch für die Führungsperson am wichtigsten?
- Das Gespräch zügig nach Plan abarbeiten und möglichst keine Rückfragen des Mitarbeiters zulassen
- Die eigene Meinung durchsetzen und abweichende Sichtweisen sofort als Missverständnis korrigieren
- Möglichst viel selbst reden, um alle Punkte vollständig und ohne Unterbruch darzulegen
- Aktives Zuhören und echtes Interesse an der Sicht des Mitarbeiters
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: D. Ein Mitarbeitergespräch lebt vom Dialog; aktives Zuhören schafft Vertrauen und liefert Informationen.
Frage 4
In einem Klärungsgespräch schlägt Anna Weber vor, dass ihre Kollegin Barbara künftig alle Ausnahmen selbst genehmigt, Barbara schlägt das Gegenteil vor. Der Moderator will jetzt neue Lösungen entwickeln. Was ist als nächster Schritt am besten?
- Beide Vorschläge der Reihe nach bewerten lassen und anschliessend die bessere Variante für alle verbindlich auswählen
- Sofort abstimmen lassen, wer von beiden mehr Unterstützung im Team hat
- Die Diskussion beenden und die Vorgesetzten über den Streit informieren
- Beide fragen, was ihnen an einer Regelung wichtig ist, und daraus Kriterien für eine gemeinsame Lösung ableiten
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: D. Mit gemeinsamen Kriterien lassen sich Lösungsoptionen sachlich prüfen. Sie führen weg von Positionen hin zu Interessen.
Frage 5
Was bedeutet Marktsegmentierung?
- Die Aufteilung des Verkaufsgebiets in Regionen nach dem Wohnort der einzelnen Aussendienstmitarbeitenden
- Die Festlegung des Verkaufspreises anhand der Preise der drei günstigsten Konkurrenten im Markt
- Die Aufteilung des Gesamtmarkts in Kundengruppen mit ähnlichen Bedürfnissen, um sie gezielt anzusprechen
- Die Gliederung des Sortiments nach Lagerbestand und Priorität der Lieferanten im Einkauf
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: C. Segmentierung bildet Kundengruppen mit ähnlichen Bedürfnissen. Dadurch werden Angebot und Kommunikation passender.
Kostenlos testen
Führungsfachleute: 726 Übungsfragen mit Erklärung
20 Fragen pro Themenbereich und das erste Theoriekapitel, ohne Karte und ohne Anmeldung als Gast.
Häufige Fragen
Muss ich zuerst die Module bestehen?
Ja. Für die Berufsprüfung brauchst du die verlangten Modulbescheinigungen oder eine Gleichwertigkeitsbestätigung.
Brauche ich Führungserfahrung für die Module?
Nein. Die Module Leadership und Management sind ohne Führungserfahrung möglich. Für die Berufsprüfung brauchst du mindestens ein Jahr Führungserfahrung.
Wie oft kann ich die Berufsprüfung wiederholen?
Zweimal, du hast also drei Versuche. Wer den dritten Versuch nicht besteht, kann nicht mehr antreten.
Wie lange gelten die Module?
Laut SVF sind Management-Module fünf Jahre und Leadership-Module acht Jahre gültig.
Wo finde ich die Daten für 2027?
Auf der Seite «Termine/Anmeldung» der SVF. Wir haben sie nicht bestätigt.
Quellen und weiterführende Links
Weitere Ratgeber
Führungsfachleute · Fachthema · Fachthemen erklärt
Führungsstile und situative Führung erklärt
Führungsstile und situative Führung verständlich erklärt: autoritär, kooperativ, Laissez-faire, Reifegrad der Mitarbeitenden und Beispiele aus dem Team.
WeiterlesenFührungsfachleute · Fachthema · Fachthemen erklärt
Konfliktmanagement: Konfliktarten, Eskalation und Mediation
Konfliktarten, heisse und kalte Konflikte, Eskalationsstufen und Mediation verständlich erklärt, mit Beispielen und Vorgehen für Führungspersonen im Team.
Weiterlesen