Logistiker/in EFZ · Prüfung · Stand
Das Qualifikationsverfahren (QV) schliesst die dreijährige Lehre als Logistiker/in EFZ ab. Es gibt keine eigene schriftliche Berufskenntnisse-Prüfung. Dein Fachwissen zählt über die Schulnoten in der Erfahrungsnote und über die praktische Arbeit mit Fachgespräch.
Was das QV für Logistiker/innen ist
Logistiker/in EFZ ist ein dreijähriger Lehrberuf im Berufsfeld Logistik. Rechtliche Grundlage ist die Verordnung des SBFI über die berufliche Grundbildung der Berufe mit EFZ im Berufsfeld «Logistik» vom 15. September 2023 (SR 412.101.220.31), in Kraft seit 1. Januar 2024, zusammen mit dem Berufsbildungsgesetz (BBG, SR 412.10).
Wichtig: Die QV-Bestimmungen der neuen Verordnung gelten ab 1. Januar 2027 (Art. 27). Wer vor 2024 gestartet ist, schliesst nach der alten Verordnung von 2015 ab, sofern der Abschluss vor dem 31. Dezember 2028 erfolgt. Frag das kantonale Amt, welche Regeln für dich gelten.
Fachrichtungen
Es gibt zwei Fachrichtungen. Sie bestimmen, welche Handlungskompetenzbereiche du zusätzlich lernst.
- Distribution: Bearbeiten von Sendungen, Zustellen von Sendungen und Erbringen von Dienstleistungen.
- Lager: Lagern von Waren und Kommissionieren von Waren.
Zulassung
Als Lernende/r wirst du über deinen Lehrbetrieb angemeldet. Erwachsene können nach Art. 32 der Berufsbildungsverordnung (BBV, SR 412.101) zum QV zugelassen werden, wenn sie mindestens fünf Jahre Berufserfahrung nachweisen, davon laut Bildungsverordnung (Art. 18) mindestens drei Jahre im Tätigkeitsbereich des Berufs. Dann entfällt die Erfahrungsnote. Für die Abschlussprüfung brauchen alle zudem den Ausbildungsnachweis für das Führen von Flurförderzeugen, in der Fachrichtung Distribution ausserdem den Führerausweis Kategorie A1 oder B.
Prüfungsstruktur
Details zur VPA und zur Erfahrungsnote findest du im Ratgeber VPA, Fachgespräch und Erfahrungsnote.
| Bereich | Gewicht an der Gesamtnote | Inhalt |
|---|---|---|
| Praktische Arbeit (VPA) | 40 % | 6 Stunden in vier Positionen, davon 30 Minuten Fachgespräch |
| Allgemeinbildung | 20 % | Separate Verordnung |
| Erfahrungsnote | 40 % | Betriebliche Praxis, Berufskenntnisse-Unterricht, überbetriebliche Kurse |
Notenberechnung und Bestehensregel
Noten gehen von 1 bis 6, 4 ist genügend (Notensystem). Das QV ist bestanden, wenn die Note der praktischen Arbeit mindestens 4.0 ist und die Gesamtnote, auf eine Dezimalstelle gerundet, mindestens 4.0 beträgt.
Beispiel: VPA 4.5, Allgemeinbildung 5.0, Erfahrungsnote 4.6. Gesamtnote = 0.4 × 4.5 + 0.2 × 5.0 + 0.4 × 4.6 = 1.8 + 1.0 + 1.84 = 4.64, gerundet 4.6. Bestanden.
Wiederholung
Nach Art. 33 BBV kann das QV höchstens zweimal wiederholt werden. Ein nicht bestandener Qualifikationsbereich wird als Ganzes wiederholt (Art. 22 der Bildungsverordnung). Die Einzelheiten regelt das kantonale Amt. Sprich früh mit deinem Betrieb und deiner Berufsfachschule.
Kosten, Termine, Zuständigkeit
Das QV organisieren die Kantone mit Expertinnen und Experten der Branche. Für Lernende fallen üblicherweise keine Prüfungsgebühren an. Termine meldet dir das Amt. Bundesbeiträge für Vorbereitungskurse gelten nur für die höhere Berufsbildung (Bundesbeiträge).
Themen im Bildungsplan
Der Bildungsplan kennt acht Handlungskompetenzbereiche. Die ersten vier gelten für alle, danach folgt deine Fachrichtung.
- Organisieren der Aufträge
- Gestalten und Optimieren des Arbeitseinsatzes
- Entgegennehmen und Bewirtschaften von Gütern
- Verteilen von Gütern
- Bearbeiten von Sendungen und Dienstleistungsaufträgen (Distribution)
- Zustellen von Sendungen und Erbringen von Dienstleistungen (Distribution)
- Lagern von Waren (Lager)
- Kommissionieren von Waren (Lager)
Lernen neben der Arbeit
Dein Berufsfachschulwissen zählt mit 60 % der Erfahrungsnote. Lerne deshalb laufend. Rechnen übst du mit Lagerkennzahlen und ABC-Analyse. Einen Plan und Fehler zeigt Lernplan und typische Fehler.
Praktische Hinweise zur VPA
Die VPA besteht aus vier Positionen: Aufträge und Arbeitseinsatz (10 %), Güter entgegennehmen und verteilen (30 %), die fachrichtungsspezifischen Aufgaben (40 %) und das Fachgespräch (20 %). Die dritte Position zählt am meisten. Wer Distribution gewählt hat, wird zu Sendungen und Zustellung geprüft, wer Lager gewählt hat, zu Lagern und Kommissionieren. Sicherheit, Genauigkeit und saubere Dokumentation entscheiden mit.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
Selbsttest
Beantworte die Fragen im Kopf und öffne dann die Lösung.
Aufgabe 1
Bei der Kontrolle stellt sich heraus, dass die Appenzeller Warenlager AG einen anderen Artikel erhalten hat als auf dem Lieferschein angegeben. Wie wird korrekt vorgegangen?
- Die Falschlieferung dokumentieren und vor der Einlagerung klären, statt sie wie bestellt zu verbuchen
- Den Artikel einfach unter der ursprünglich bestellten Artikelnummer einlagern
- Die Ware kommentarlos entsorgen
- Den Vorfall nicht weitergeben, da es sich nur um einen Artikel handelt
Lösung anzeigen
Richtig: A. Eine Falschlieferung darf nicht unter der falschen Artikelnummer verbucht werden. Sie wird dokumentiert und geklärt, bevor über Einlagerung, Rücksendung oder Umbuchung entschieden wird.
Aufgabe 2
Welche Funktion hat die Tourenkarte bzw. der Routenplan für die fahrende Person?
- Sie zeigt die geplante Reihenfolge der Lieferstopps und die vorgesehene Fahrtroute übersichtlich an
- Sie dient ausschliesslich der Dokumentation für die Jahresbuchhaltung
- Sie ersetzt die Notwendigkeit, Begleitdaten pro Sendung zu erfassen
- Sie wird nur bei Retouren erstellt
Lösung anzeigen
Richtig: A. Die Tourenkarte zeigt, in welcher Reihenfolge die Lieferstopps angefahren werden und welche Route vorgesehen ist. Sie ist die Grundlage für die Durchführung der Tour.
Aufgabe 3
Im Rahmen der ABC-Analyse werden A-Artikel typischerweise wo im Lager platziert?
- Möglichst weit entfernt vom Warenausgang - das entspricht nicht dem üblichen Vorgehen im Lager
- In der Nähe des Warenausgangs bzw. an gut zugänglichen Plätzen
- Immer im obersten Hochregalfach
- Nur in verschlossenen Sonderräumen
Lösung anzeigen
Richtig: B. A-Artikel haben den höchsten Umsatz- bzw. Zugriffsanteil und werden an gut erreichbaren Plätzen nahe dem Warenausgang platziert, um Wegzeiten zu minimieren.
Beispielfragen aus dem Gratis-Test
Wähle eine Antwort im Kopf und öffne dann die Lösung.
Frage 1
Wie werden Verantwortlichkeiten im Team bei einem besonders komplexen Auftrag sinnvoll verteilt?
- Nach den Fähigkeiten und der Erfahrung der einzelnen Mitarbeitenden, mit klarer Zuteilung der Teilaufgaben
- Rein zufällig, damit niemand bevorzugt wird
- Immer an die am längsten anwesende Person, unabhängig von ihren Fähigkeiten
- Ohne jede Zuteilung, damit sich das Team selbst organisiert
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Eine sinnvolle Verteilung berücksichtigt, wer welche Fähigkeiten und Erfahrungen mitbringt, und ordnet die Teilaufgaben entsprechend klar zu. Das verhindert sowohl doppelte Arbeit als auch vergessene Teilschritte.
Frage 2
Warum ist eine vollständige Dokumentation eines Logistikauftrags bei der Schwanden Logistik AG wichtig?
- Damit der Ablauf jederzeit nachvollzogen werden kann, auch von anderen Personen.
- Damit möglichst viele Formulare ausgefüllt werden, unabhängig vom Nutzen.
- Damit die Dokumentation ausschliesslich für die eigene Erinnerung dient.
- Damit Rückfragen der Kundschaft grundsätzlich unmöglich werden.
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Eine vollständige Dokumentation macht den Ablauf eines Auftrags für alle Beteiligten nachvollziehbar, auch wenn eine andere Person als die ursprünglich zuständige später Auskunft geben muss.
Frage 3
Zwei Lastwagen mit je einem reservierten Zeitfenster treffen gleichzeitig an der einzigen freien Rampe ein. Wie entscheidet die Logistikerin sinnvoll?
- Sie klärt anhand der Zeitfenster-Reservierung, welches Fahrzeug zuerst andocken darf
- Sie lässt grundsätzlich den grösseren Lastwagen zuerst andocken
- Sie weist den beiden Fahrern zufällig eine Reihenfolge zu
- Sie schickt einen der beiden Lastwagen ohne weitere Abklärung weg
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: A. Die Reihenfolge an der Rampe richtet sich nach der vereinbarten Zeitfenster-Reservierung, die genau solche Überschneidungen vermeiden soll.
Frage 4
Was ist das zentrale Ziel der Ladungssicherung während des Transports?
- Die Ladung optisch ansprechend auf der Ladefläche anzuordnen
- Ein Verrutschen, Umfallen oder Herabfallen der Ladung während der Fahrt zu verhindern
- Die Anzahl der benötigten Sendungspapiere zu reduzieren
- Die Ladefläche möglichst vollständig auszunutzen, unabhängig von der Sicherheit
Lösung und Erklärung anzeigen
Richtig: B. Ladungssicherung verhindert, dass Güter während Bremsungen, Kurvenfahrten oder Beschleunigungen verrutschen, umfallen oder von der Ladefläche fallen. Sie schützt damit die Ladung selbst, das Fahrzeug und andere Verkehrsteilnehmende.
Frage 5
Was ist bei der Übergabe sortierter Sendungen an eine andere Zustellorganisation zu beachten?
- Anzahl und Zustand der übergebenen Sendungen werden gemeinsam kontrolliert und quittiert.
- Die Übergabe erfolgt ohne gemeinsame Kontrolle, allein auf Vertrauensbasis.
- Eine Quittierung ist nur bei Reklamationen im Nachhinein nötig.
- Die übernehmende Organisation kontrolliert die Sendungen erst Tage später.
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Richtig: A. Eine gemeinsame Kontrolle und Quittierung bei der Übergabe schafft Klarheit über Anzahl und Zustand und verhindert spätere Streitfälle.
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Häufige Fragen
Gibt es eine schriftliche Berufskenntnisse-Prüfung?
Nach der Verordnung von 2023 nicht als eigenen Qualifikationsbereich. Das Berufswissen zählt über die Erfahrungsnote.
Wie lange dauert die VPA?
Sechs Stunden in vier Positionen, davon ein Fachgespräch von 30 Minuten.
Wann habe ich bestanden?
Praktische Arbeit mindestens 4.0 und Gesamtnote mindestens 4.0.
Gibt es Fachrichtungen?
Ja, Distribution und Lager.
Gilt die Regelung schon heute?
Die QV-Bestimmungen der Verordnung von 2023 gelten ab 1. Januar 2027. Davor gelten die älteren Bestimmungen.
Quellen und weiterführende Links
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