Gebäudetechnik · Fachthema · Stand
Legionellen sind ein Dauerthema der Gebäudetechnik und kommen in Prüfungsfragen zu Sanitär, Warmwasser und Kühlanlagen immer wieder vor. Als Hauswart hast du eine Schlüsselrolle bei der Vorsorge. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Bakterien entstehen, welche Temperaturen wichtig sind und was du selbst tun darfst.
Was sind Legionellen?
Legionellen sind Bakterien, die natürlicherweise in Wasser vorkommen. Problematisch werden sie in Trinkwasserinstallationen, wenn sie sich stark vermehren. Gefährlich ist das Einatmen von feinen Wassertröpfchen, sogenannten Aerosolen, etwa beim Duschen. Das kann zu einer schweren Lungenentzündung führen. Das Trinken des Wassers ist nicht das Hauptrisiko.
Legionellen vermehren sich im lauwarmen Bereich am stärksten. Deshalb hält man Kaltwasser kühl und Warmwasser ausreichend heiss. Im Schema mit drei Temperaturbereichen ist der mittlere, lauwarme Bereich die Gefahrenzone.
Temperaturen im Überblick
Die Schweizer Branche stützt sich auf die Norm SIA 385/1 und die Module von BAG und BLV. Eine Übersicht des Verbands suissetec nennt für Warmwasserversorgungen mit warmgehaltenen Leitungen diese Richtwerte. Die genauen Werte hängen von der Anlage ab. Massgebend sind die aktuelle Norm und die Angaben der Fachfirma.
| Stelle | Richtwert |
|---|---|
| Speicher / Wassererwärmer | 60 °C |
| Warmwasserverteilsystem | 55 °C |
| Entnahmestelle | 50 °C |
| Kaltwasser | höchstens 25 °C |
Ohne warmgehaltene Leitungen kann der Speicherwert tiefer liegen. Quellen nennen für die Kaltwassergrenze teils auch 20 °C. Verlass dich deshalb nicht auf Zahlen aus dem Gedächtnis, sondern auf die Unterlagen der Installation.
Höchstwert und Empfehlungen
Für Duschwasser gilt nach der Trink-, Bade- und Duschwasserverordnung (TBDV) ein Höchstwert von 1'000 koloniebildenden Einheiten pro Liter (KBE/l). BAG und BLV empfehlen den gleichen Wert allgemein für sanitäre Installationen. In Spitälern und Pflegeheimen liegt ihre Empfehlung für Duschwasser bei 100 KBE/l.
Proben nimmt in der Regel eine Fachperson oder ein akkreditiertes Labor. Als Hauswart ordnest du das nicht selbst an, sondern meldest Auffälligkeiten der Verwaltung oder dem Eigentümer.
Stagnation vermeiden
Steht das Wasser lange in der Leitung, kann es sich erwärmen und die Keime vermehren sich. Dieses Risiko heisst Stagnation. Typische Stellen:
- Nicht mehr verwendete Leitungsstücke, die noch am Netz hängen (Blindleitungen)
- Selten genutzte Entnahmestellen wie ein Gästebad
- Eine Wohnung, die über mehrere Wochen leer steht
- Duschen einer Sporthalle in den Ferien
Inbetriebnahme nach Stillstand
Waren die Duschen einer Sporthalle über die Sommerferien nicht in Betrieb, gehst du nach dem Prinzip vor: Zuerst die Versorgung sicherstellen, dann spülen, kontrollieren und dokumentieren, bevor die Anlage freigegeben wird. Spüle Warm- und Kaltwasser an allen Entnahmestellen. Halte fest, wann, wo und durch wen gespült wurde.
Was darfst du, was nicht?
Verlangt ein Mieter, die Warmwassertemperatur stark zu senken, um Energie zu sparen, lehnst du das ab. Tiefe Speichertemperaturen begünstigen das Legionellenwachstum. Sparpotenzial liegt eher bei Dämmung und Verbrauch.
| Aufgabe | Hauswart | Fachfirma |
|---|---|---|
| Seltene Entnahmestellen regelmässig spülen | Ja | |
| Brausen und Perlatoren entkalken oder ersetzen | Ja | |
| Temperaturen ablesen und notieren | Ja | |
| Warmwassertemperatur im Speicher absenken | Nein, Hygiene geht vor Sparen | Einstellungen prüfen |
| Eingriffe in Sicherheitsarmaturen und Leitungen | Nein | Ja |
| Probenahme und Sanierung | Meldung | Ja |
Weitere Quellen: Kühlanlagen
Auch offene Verdunstungsrückkühler von Klimaanlagen sind ein Risiko. Dort entstehen Aerosole in warmem Wasser, in dem sich Legionellen vermehren können. Reinigung, Desinfektion und Kontrollen sind deshalb Teil des Betriebs. Weitere Informationen zur Technik und zur Zusammenarbeit mit Fachfirmen gehören zum Fach Gebäudetechnik, siehe Hauptratgeber Hauswart.
Dokumentation und Kommunikation
Ein gutes Legionellenkonzept lebt von Dokumentation. Halte fest, wann welche Entnahmestellen gespült wurden, welche Temperaturen abgelesen wurden und welche Auffälligkeiten du gemeldet hast. Diese Aufzeichnungen helfen der Verwaltung und der Fachfirma, wenn Fragen entstehen.
Kommuniziere klar mit Mietenden. Erkläre bei Fragen, warum das Warmwasser heiss gehalten wird und warum selten genutzte Duschen gespült werden. Bei Verdacht auf ein Problem informierst du sofort die Verwaltung. Gesundheitsfragen beantwortest du nicht selbst, sondern verweist auf die Behörden und die Fachfirma.
Wichtig zu wissen
Aufbau, Termine, Gebühren und Zulassung legt die Prüfungsträgerschaft fest und kann sie ändern. Massgebend sind die aktuelle Prüfungsordnung und Wegleitung. Dieser Ratgeber ist ein unabhängiges Lernangebot und keine Rechts- oder Steuerberatung.
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Häufige Fragen
Wie entstehen Legionellen-Erkrankungen?
Durch das Einatmen von Wassertröpfchen aus kontaminiertem Wasser, zum Beispiel beim Duschen oder aus Kühlanlagen.
Welcher Höchstwert gilt im Duschwasser?
Die TBDV nennt 1'000 KBE/l für Duschwasser. Für Spitäler und Pflegeheime empfehlen BAG und BLV 100 KBE/l.
Warum darf ich die Boilertemperatur nicht einfach senken?
Weil Legionellen sich im lauwarmen Bereich stark vermehren. Hygiene hat Vorrang vor Energiesparen.
Was gehört nicht zu meinen Aufgaben?
Eingriffe in Sicherheitsarmaturen und Leitungen sowie Sanierungen. Das macht die Fachfirma.
Quellen und weiterführende Links
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